Thema Falschbeschuldigung
Erste Schritte
- Ruhe bewahren! - Atmen Sie tief durch und versuchen Sie, ruhig zu bleiben, um klar denken zu können.
- Sammeln Sie Beweise - Sammeln Sie wenn möglich Beweise, die die Anschuldigung widerlegen und Ihre Unschuld belegen.
- Unterstützung suchen - Sprechen Sie mit Freunden, Familie oder einem Anwalt über die Situation.
- Rechtliche Schritte prüfen - Lassen Sie sich von einem Anwalt beraten, ob rechtliche Schritte gegen die Person, die Sie bezichtigt, möglich sind.
Weiterführende Schritte
Eine innere Übersicht zu behalten, ist strategisch wichtig. Darum haben wir diese fünf Punkte für Sie. Nehmen sie ein Blatt Papier und machen sie sich Notizen zu jedem dieser Punkten:
| 1. | Klarstellung: | "Das ist eine falsche Behauptung. Ich habe das nicht getan." | (Klare und direkte Zurückweisung des Vorwurfs) |
| 2. | Nachfragen: | "Was genau wirft mir diese Person vor? Ich verstehe nicht, woher diese Anschuldigung kommt". | (Versuch, den genauen Vorwurf zu verstehen und zu entkräften) |
| 3. | Konfrontation: | "Diese Anschuldigung lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde mich dagegen wehren". | (Deutliche Ankündigung, sich gegen den Vorwurf zu wehren) |
| 4. | Abstand: | "Ich möchte jetzt nicht mit dir über diesen Vorwurf sprechen. Lass uns später darüber reden. | (Zeit und Raum für eine sachliche Diskussion schaffen) |
| 5. | Rechtliche Schritte: | "Ich behalte mir das Recht vor, rechtliche Schritte einzuleiten, wenn diese Anschuldigungen nicht zurückgenommen werden. | (Ankündigung rechtlicher Schritte, falls die Anschuldigungen nicht zurückgezogen werden) |
Der Mechanismus der Beschuldigung
Bei Anschuldigungen geht es in erster Linie einer Person etwas anzulasten. In der Fachsprache redet man von einem Attributionsprozess. Eine falsche Beschuldigung ist damit ein Fehlattributionsprozess, da jemandem etwa fehlerhaft anrechnet.
Solche Schuldverschiebungen beruhen grundsätzlich auf einem Abwehrmechanismus. Dieser bezeichnet psychische Vorgänge, die dazu dienen, innere oder zwischenmenschliche Konflikte auf eine Weise zu regulieren, die der seelischen Verfassung einer Person Entlastung verschafft. Dies geschieht meist reflexhaft und vorerst eher unbewusst. Doch
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Vorsatz:Es ist entscheidend, dass die Anschuldigung wider besseren Wissens und mit der Absicht erfolgt, eine Strafverfolgung einzuleiten.
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Relevanz der Einleitung eines Strafverfahrens:Ob tatsächlich ein Strafverfahren eingeleitet wird oder nicht, ist für die Strafbarkeit der falschen Anschuldigung nicht relevant.
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Strafmaß:Die falsche Anschuldigung kann mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet werden.
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Rechte der beschuldigten Person:Eine Person, die beschuldigt wird, hat das Recht, die Aussage zu verweigern und sich anwaltlich vertreten zu lassen.
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Lüge als Beschuldigter:Im Strafverfahren darf ein Beschuldigter lügen, um sich nicht selbst zu belasten, jedoch nicht, um eine andere Person falsch zu beschuldigen.
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Falsche Anschuldigung als Straftat:Das gezielte Beschuldigen einer anderen Person einer Straftat ist strafbar, selbst wenn der Beschuldigte die Wahrheit sagt.
Unterscheidung - unbewusst oder vorsätzlich?
Eine Einordnung, die dabei hilft, Klarheit über die Situation zu erlangen, ist kybernetischer Art.
- Frage 1: Ist die Beschuldigung vorsätzlich und gezielt erfolgt?
- Frage 2: Welches Ziel könnte von dieser Person verfolgt werden?
In der Kybernetik lassen sich die beiden Fragen rational auf eine reduzieren:
- Welche Art von (systemischer) Störung herrscht vor, die einen Menschen dazu bringt, eine Falschbeschuldigung zu erheben?
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Exkurs
Grundsatz: Erinnerungen können verändert werden
In den meisten Fällen gibt es reale Ereignisse, die daraufhin durch eine „Störung” bewusst oder unbewusst "umgedeutet" wurden. Dieses "Umdeuten" ist zwar möglich, verändert jedoch nicht die tatsächliche Realität. Lediglich die individuelle und sbjektive Erinnerung an das Ereignis kann verändert werden.
Ablauf einer Erinnerungsbildung und Erinnerungsabrufs
Ereignis -> Perzeption -> Gedächtnisbildung -> "gespeicherte" Erinnerung -> Erinnerungsabruf
A. Es gibt ein Ereignis
B. Das Gehirn "registriert" das Ereignis (Perzeption) und löst eine Gedächnisbildung aus.
C. Dadurch konstruiert das Gehirn umgehend eine Erinnerung.
E. Diese Erinnerung kann abgerufen werden - z.B. durch Befragung.
Wichtig: Dabei darf man nicht davon ausgehen, dass eine Erinnerung wie ein Foto oder ein Video im Gehirn abgespeichert wird. (Siehe Erklärung in Glossarverzeichnis)
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Nachträglich veränderte Erinnerungen
Erinnerungen können durch verschiedene Faktoren (Störungen) nachträglich verändert werden.
- Eigene kognitive Verzerrungen/Biases
- Fehlinformation nach einem Ereignis
- Suggestion durch Befragung
- Täter-Opfer-Narrativ (extern)
- Psychologische Projektion (unbewusst)
- Bewusste Lügen/Manipulation (Vorsatz)
Solche Störungen ereignen sich entweder unbewusst und unwillkürlich - oder bewusst und mit Vorsatz:
I. Bewusst und mit Vorsatz, oder
II. Unbewusst durch inneren Antrieb.
Juristische Einordnung
Wenn wir von falscher Anschuldigungen reden, dann wird eine Methodlogie angewandt, die sich auf einen im Strafgesetzbuch enthaltenen Strattatbestand abstützt.
Strafgesetzbuch (StGB) Art. 303 Ziffer 1 und 2 (Link):
Wer einen Nichtschuldigen wider besseres Wissen bei der Behörde eines Verbrechens oder eines Vergehens beschuldigt, in der Absicht, eine Strafverfolgung gegen ihn herbeizuführen,
wer in anderer Weise arglistige Veranstaltungen trifft, in der Absicht, eine Strafverfolgung gegen einen Nichtschuldigen herbeizuführen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
2. Betrifft die falsche Anschuldigung eine Übertretung, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.
(Hier die Methodologie - in vereinfachter Weise - einfügen)
A. Wider besseren Wissens (bewusst) jemanden beschuldigen, sodass eine Strafverfolgung erfolgt
B. in anderer Weise (bewusst) arglistige Veranstaltungen treffen, mit der Absicht, dass eine Strafverfolgung herbeigeführt würde
C. Unbewusste Handeln schützt nicht vor Strafe
"Arglistige Veranstaltungen" im Zusammenhang mit Art. 303 StGB (falsche Anschuldigung) bezieht sich auf Handlungen, die darauf abzielen, eine Strafverfolgung gegen eine unschuldige Person herbeizuführen, ohne diese direkt zu beschuldigen. Es handelt sich um eine Form der indirekten falschen Anschuldigung, bei der der Täter durch listige oder täuschende Handlungen eine Strafuntersuchung gegen eine andere Person in Gang setzen möchte.