Thema Falsche Erinnerung

  1. Was sind falsche Erinnerungen?
  2. Wie entstehen überhaupt falsche Erinnerungen?
  3. Empfehlungen zum Umgang mit dem Thema falsche Erinnerungen
    1. Als betroffene Person
    2. Als beschuldigte Person durch falsche Erinnerungen

Inhalte von Erinnerungen

Dass überhaupt falsche Erinerungen entstehen oder implantiert werden können, muss dafür immer ein Defizit vorhanden sein, eine Leerstelle, die gefüllt werden kann, die man füllen will, weil sie sich störend auswirkt.

Sehr oft werden dann Erinnerungen in der Kindheit von sexueller Gewalt, oft verbunden mit ritueller Gewalt (rituelle sexuelle Gewalt) "gefunden".

 

Damit überhaupt falsche Erinnerungen entstehen oder implantiert werden können, muss immer ein Defizit vorhanden sein, eine Leerstelle, die gefüllt werden kann, weil sie sich störend auswirkt.

Sehr oft werden dann in der Kindheit erlebte sexuelle Gewalt, oft verbunden mit ritueller Gewalt, „entdeckt”.

Doch angesichts der umfangreichen vorhandenen empirischen und theoretischen Literatur zum Thema "rituelle sexuelle Gewalt" sind vorab drei Punkte festzuhalten:

  1. Sowohl die Angaben zu Amnesie als auch zu Wiedererinnern erscheinen aus gedächtnispsychologischer Sicht unplausibel.
  2. Die Angaben über erlittenen rituellen sexuellen Missbrauch sind durch suggestive Prozesse alternativ erklärbar.
  3. Es liegen keine belastbaren Belege für Phänomene wie die intentionale Persönlichkeitsspaltung vor. Angesichts der möglichen Gefahren für Betroffene (Bestärkung von Scheinerinnerungen, nicht hilfreiche Therapien/Beratungen) ist ein vorsichtiger Umgang mit Behauptungen über die Existenz ritueller sexueller Gewalt geboten.

 

Quelle: A. Mokros et al., “Rituelle sexuelle Gewalt: Eine kritische Auseinandersetzung mit fragwürdigen empirischen Belegen für ein fragliches Phänomen,” Psychologische Rundschau, vol. 75, no. 3, pp. 216–228, Jul. 2024, doi: 10.1026/0033-3042/a000663.

Wie kommt es? Offenheit für konstruierte Erinnerungen

Fachleute gehen davon aus, dass etwa ein Drittel aller Menschen eine grosse Offenheit für Erinnerungsveränderung aufweist. Dabei handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine mentale Offenheit, die jedoch missbraucht werden kann. Wie bei vielen anderen mentalen Themen weisen wir Menschen in dem Bereich grundsätzlich eine Vulnerabilität auf. Diese ist höchst menschlich, denn wir Menschen besitzen eine intrinsische Kooperationsoffenheit, die unsere Zivilisation, unser Zusammenleben und unser Zusammenwirken erst möglich macht.

Die gute Nachricht ist: Wir sind grundsätzlich in der Lage, unser mentales "Immunsystem" zu stärken und somit unsere Gedächtnisbildungsprozesse und Erinnerungen zu schützen. Am besten gelingt das, wenn wir uns zudem bewusst werden, dass wir das nicht nur als Individuen, sondern auch als Gesellschaft tun müssen. Fake News und radikale Ideologien wie die des Konstruktivismus lösen allzu oft ein Massenverhalten aus, das nur schwer zu bändigen ist, wenn es erst einmal losgebrochen ist.

Therapeutische Erzeugung falscher Erinnerungen

Ein seit Jahren aufkommendes Phänomen in unserer Gesellschaft begünstigt diese Offenheit und ist Teil einer Suche nach Identität. Die Antwort darauf ist eine Zunahme von identitären Diagnosen durch Psychologen und darauffolgende psychotherapeutischen Interventionen. Dort findet oft eine Suche statt, wo neben den vermeintlich indentiitätsstiftenden Diagnosen ADHS, Autismus und Hochsensibilität auch die eines Traumas lauert.

In dem gesellschaftlichen Wandel ist der Verlust stabiler Identitäten zu beobachten:

  • Traditionelle Identitäten wie Familie, Religion und Beruf verlieren an Bedeutung
  • Idividualiserungsdruck und die Suche nach der Unterscheidung
  • Änderung der Männer/Frauenrolle

(Quelle: Holger Richter "Jenseits der Diagnosen - Fallstricke der Psychotherapie")

 

therapeutischen Erzeugung falscher Erinnerungen warnt, kommt eine Vielzahl von Stimmen aus der klinischen Traumatherapie mit der Behauptung: Wir erleben doch ständig das Auftauchen verdrängter oder abgespaltener Erinnerungen.